Wer seinen Mac für professionelle Arbeit nutzt, kennt das Szenario nur zu gut: Mitten in einem wichtigen Projekt startet das System plötzlich neu, weil macOS ein Update installiert hat. Besonders ärgerlich wird es, wenn danach die teure Audio- oder Videosoftware nicht mehr funktioniert, weil sie mit der neuen Betriebssystemversion noch nicht kompatibel ist. Die Lösung liegt darin, die automatischen Updates zu deaktivieren und selbst zu bestimmen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Aktualisierung gekommen ist.
Warum automatische Updates problematisch sein können
Apple hat automatische Updates aus gutem Grund als Standard eingerichtet – Sicherheitslücken werden schnell geschlossen und neue Funktionen erreichen die Nutzer zeitnah. Doch für bestimmte Anwendergruppen überwiegen die Nachteile massiv. Professionelle Kreative mit Logic Pro, Final Cut Pro oder Adobe Creative Suite erleben regelmäßig, dass automatische Updates kritische Software lahmlegen und wichtige Arbeitsabläufe unterbrechen. Dokumentierte Fälle zeigen, dass Musiker mit Logic Pro und externen Audio-Interfaces sowie Adobe-Nutzer Ausfallzeiten von Tagen oder sogar Wochen erleben können, wenn ein Update unangekündigt installiert wird.
Die automatische Update-Funktion unterscheidet nicht zwischen kleinen Sicherheitspatches und großen Systemupdates. Ein Sprung von macOS 13.2 auf 13.3 mag harmlos klingen, kann aber durchaus zu Inkompatibilitäten mit Drittanbieter-Software führen. Hinzu kommt, dass manche Updates Bugs mitbringen, die erst in Folgeversionen behoben werden – wer zu früh aktualisiert, wird unfreiwillig zum Beta-Tester.
Eine zusätzliche Herausforderung mit den Update-Einstellungen
Eine besonders ärgerliche Entwicklung kam mit macOS Sequoia 15.4 ans Licht: Apple überschreibt Update-Einstellungen durch die Hintertür. Nutzer, die automatische Updates zuvor bewusst deaktiviert hatten, stellten fest, dass ihre Einstellungen nach der Installation überschrieben wurden und macOS-Updates fortan wieder automatisch installiert werden. Apple weist zwar nach der Installation auf diese Änderung hin, aber der Hinweis ist dezent formuliert und wird von vielen übersehen. Wer also seine Update-Kontrolle behalten möchte, muss nach größeren Systemupdates die Einstellungen erneut überprüfen.
Die verschiedenen Update-Kategorien verstehen
Bevor wir in die technische Umsetzung einsteigen, lohnt sich ein Blick auf die Unterschiede zwischen den Update-Typen. macOS unterscheidet zwischen Systemupdates, die die Versionsnummer ändern, Sicherheitsupdates, die kritische Lücken schließen, und Firmware-Updates für die Hardware-Komponenten. Dazu kommen noch App-Updates aus dem Mac App Store und automatische Hintergrund-Downloads. Diese Differenzierung ist wichtig, weil eine granulare Kontrolle möglich ist. Man muss nicht zwingend alle Updates blockieren – eine intelligente Strategie erlaubt Sicherheitspatches, während größere Systemupdates manuell geplant werden.
Automatische Updates in den Systemeinstellungen deaktivieren
Der erste Anlaufpunkt ist naturgemäß die grafische Benutzeroberfläche. Je nach macOS-Version unterscheiden sich die Menüs leicht, das Prinzip bleibt jedoch gleich. Öffne die Systemeinstellungen über das Apple-Menü und navigiere zu Allgemein und dann zu Softwareupdate. Dort findest du einen Button mit der Aufschrift Automatische Updates oder ein kleines Info-Symbol daneben. Ein Klick darauf öffnet ein Dialogfenster mit mehreren Optionen.
Für maximale Kontrolle solltest du alle Häkchen entfernen. Wer zumindest Sicherheitsupdates automatisch einspielen möchte, kann das entsprechende Häkchen gesetzt lassen – eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss basierend auf seinem Sicherheitsbedürfnis und der Kritikalität seiner Arbeitsumgebung. Unter älteren Systemen wie macOS Monterey heißt der Menüpunkt noch Software-Update, das Prinzip bleibt identisch. Bei besonders alten Versionen wie High Sierra oder Mojave findet sich die Einstellung unter App Store in den Systemeinstellungen.
Terminal-Befehle für fortgeschrittene Nutzer
Wer die volle Kontrolle möchte oder Einstellungen per Skript auf mehreren Macs umsetzen will, greift zum Terminal. Mit dem Befehlszeilentool softwareupdate lässt sich das Update-Verhalten präzise steuern. Um verfügbare Updates anzuzeigen, kannst du eingeben: softwareupdate -l
Für Unternehmensumgebungen oder professionelle Anwender, die maximale Kontrolle benötigen, gibt es die Möglichkeit, spezifische Updates dauerhaft zu ignorieren. Dies funktioniert mit folgendem Befehl: sudo /usr/sbin/softwareupdate –ignore „macOS [Name des Updates]“. Dabei ersetzt du den Platzhalter durch den tatsächlichen Namen des Updates, wie er in der Liste erscheint. Dieser Befehl erfordert Administratorrechte, weshalb sudo vorangestellt ist.

Die manuelle Update-Routine etablieren
Automatische Updates zu deaktivieren bedeutet nicht, Updates zu ignorieren – ganz im Gegenteil. Eine professionelle Herangehensweise erfordert eine bewusste Update-Strategie. Setze dir einen festen Rhythmus, etwa einmal wöchentlich oder alle zwei Wochen, um manuell nach Updates zu suchen. Bevor du ein größeres Update installierst, solltest du ein vollständiges Time Machine Backup erstellen, damit du im Notfall zurückkehren kannst. Professionelle Nutzer sollten mehrere Backup-Punkte erstellen.
Prüfe die Websites deiner wichtigsten professionellen Anwendungen auf Kompatibilitätsinformationen. Entwickler veröffentlichen meist Statements zur Kompatibilität mit neuen macOS-Versionen. Lies in Foren und auf Tech-Websites nach ersten Erfahrungsberichten – die ersten Tage nach einem Update-Release bringen oft unerwartete Probleme ans Licht. Ein bewährter Ansatz ist es, nach Release neuer Versionen mindestens eine Woche abzuwarten und sich über mögliche Probleme in der Community zu informieren.
Viele Profis mit kritischen Anwendungen warten sogar bis zur ersten Folgeversion. Apple veröffentlicht beispielsweise macOS 14.0, und schon wenige Wochen später folgt 14.1 mit Bugfixes. Wer bis zur .1 oder sogar .2 Version wartet, umgeht die gröbsten Kinderkrankheiten, die in den ersten Versionen oft noch vorhanden sind.
App Store Updates separat behandeln
Ein oft übersehener Aspekt sind die Updates für Apps aus dem Mac App Store. Diese laufen über einen anderen Mechanismus als Systemupdates. In den App Store Einstellungen – entweder in den Systemeinstellungen oder direkt in der App Store App – findest du separate Optionen für automatische Updates, Video-Downloads und Hintergrund-Updates bereits gekaufter Apps.
Je nach Arbeitsweise kann es sinnvoll sein, App-Updates weiterhin automatisch laufen zu lassen, während Systemupdates manuell kontrolliert werden. Safari, Mail und andere Apple-Apps werden jedoch oft mit Systemupdates gebündelt, was die Trennung erschwert. Auch die Benachrichtigungen lassen sich anpassen: In den Mitteilungen der Systemeinstellungen kannst du das Verhalten für Softwareupdate-Benachrichtigungen konfigurieren – von komplett deaktiviert bis zu dezenten Bannern ohne Badge.
Besonderheiten bei verwalteten Macs
In Unternehmensumgebungen werden Macs oft über Mobile Device Management Lösungen verwaltet. In diesem Fall können die Update-Einstellungen zentral vorgegeben sein und lassen sich lokal nicht ändern. Die beschriebenen Methoden funktionieren dann nur, wenn die IT-Richtlinien dies zulassen. Ein Gespräch mit der IT-Abteilung kann hier Klarheit schaffen und eventuell individuelle Regelungen für bestimmte Arbeitsplätze ermöglichen.
Die Balance zwischen Sicherheit und Stabilität
Komplett auf Updates zu verzichten ist keine Option – Sicherheitslücken werden aktiv ausgenutzt, und ein ungepatchtes System wird zum Einfallstor für Malware. Die Kunst liegt darin, den richtigen Zeitpunkt zu wählen. Sicherheitsupdates, die kritische Lücken schließen, sollten zeitnah installiert werden. Apple kennzeichnet diese in den Release Notes deutlich.
Feature-Updates hingegen, die neue Funktionen bringen aber keine kritischen Sicherheitsprobleme lösen, können warten, bis der optimale Zeitpunkt in deinem Workflow gekommen ist. Viele Profis nutzen die Sommerpause oder ruhigere Projektphasen für größere Updates, wenn genug Zeit bleibt, um eventuelle Probleme zu lösen. Achte dabei auf ausreichenden Speicherplatz und eine stabile Internetverbindung.
Die Kontrolle über Updates zurückzugewinnen bedeutet Verantwortung zu übernehmen – aber auch die Freiheit, den Mac genau dann zu aktualisieren, wenn es in deinen Zeitplan passt. Mit den richtigen Einstellungen wird aus dem Überraschungselement eine geplante Wartungsmaßnahme, die deine Produktivität nicht unterbricht, sondern langfristig erhöht. Vergiss dabei nicht, nach größeren Systemupdates deine Einstellungen erneut zu kontrollieren, da Apple diese bei bestimmten Updates automatisch zurücksetzen kann.
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