Achtung beim Kauf von pflanzlicher Milch: Dieser Etiketten-Trick kostet Sie bares Geld und schadet Ihrer Gesundheit

Wer im Supermarkt nach pflanzlichen Milchalternativen greift, stolpert schnell über ein sprachliches Minenfeld. Was umgangssprachlich seit Jahren als Mandelmilch bezeichnet wird, darf rechtlich gesehen gar nicht so heißen. Die Bezeichnung „Milch“ ist in der EU rechtlich geschützt und ausschließlich für tierische Erzeugnisse reserviert. Doch genau hier beginnt das Verwirrspiel für Verbraucher: Während die einen Hersteller kreative Umschreibungen wie „Mandeldrink“ oder „Mandel-Getränk“ verwenden, setzen andere auf blumige Fantasienamen, die kaum noch erkennen lassen, was tatsächlich in der Packung steckt. Diese Grauzone zwischen gesetzlichen Vorgaben und Marketingstrategien führt zu einer Situation, in der Konsumenten oft nicht auf den ersten Blick verstehen, welches Produkt sie gerade kaufen.

Die rechtliche Ausgangslage: Warum „Milch“ tabu ist

Nach EU-Recht darf nur das Melkerzeugnis eines Tieres als Milch bezeichnet werden. Ein wegweisendes EuGH-Urteil C-422/16 vom 14. Juni 2017 bestätigte diese Regelung unmissverständlich. In der bekannten Rechtssache, die als „Tofutown-Urteil“ in die Geschichte einging, entschied der Europäische Gerichtshof, dass pflanzliche Produkte nicht unter den Namen „Milch“, „Käse“ oder „Joghurt“ vermarktet werden dürfen. Ausnahmen gibt es nur für historisch gewachsene Begriffe wie Kokosmilch – Produkte, deren Namen sich über Jahrzehnte etabliert haben. Für Mandelprodukte gilt diese Ausnahme nicht, weshalb Hersteller gezwungen sind, alternative Bezeichnungen zu finden.

Das Problem: Diese rechtliche Klarheit führt in der Praxis zu erheblicher Unklarheit. Denn während das Wort „Milch“ verboten ist, herrscht bei den Alternativbezeichnungen ein regelrechter Wildwuchs. Die Folge ist ein Etiketten-Dschungel, in dem sich selbst aufmerksame Käufer nur schwer zurechtfinden.

Der Etiketten-Dschungel: Von poetisch bis verwirrend

Ein Rundgang durch die Kühlregale offenbart die ganze Bandbreite kreativer Produktnamen. „Mandel-Cuisine“, „Mandeldrink ungesüßt“, „Mandel-Pflanzendrink“, „Mandel-Happen“ oder einfach nur „Mandel pur“ – die Vielfalt ist groß, die Einheitlichkeit gleich null. Manche Hersteller drucken die Hauptzutat riesig auf die Verpackung, während der eigentliche Produkttyp in Miniaturschrift am Rand versteckt wird. Besonders problematisch wird es bei mehrsprachigen Verpackungen. Für Verbraucher, die zwischen den Sprachen wechseln oder internationale Rezepte nachkochen, entsteht schnell Verwirrung.

Wenn der Name mehr verschleiert als erklärt

Einige Produktbezeichnungen grenzen an Irreführung. Fantasienamen, die weder „Mandel“ noch „Drink“ enthalten, sondern stattdessen auf Lifestyle-Konzepte setzen, erschweren die Produkterkennung erheblich. Verbraucher müssen dann die Zutatenliste studieren, um überhaupt zu verstehen, was sie vor sich haben. Das widerspricht dem Grundgedanken transparenter Lebensmittelkennzeichnung. Hinzu kommt das Problem der Produktplatzierung. Manche Mandeldrinks stehen im Kühlregal direkt neben der Kuhmilch, andere befinden sich ungekühlt in der Abteilung für Spezialprodukte oder bei den Backzutaten. Diese unterschiedliche Platzierung verstärkt die Verwirrung zusätzlich: Ist es nun ein Milchersatz, ein Getränk oder eine Zutat?

Versteckte Informationen: Was die Verpackung nicht verrät

Die Irreführung beschränkt sich nicht nur auf den Produktnamen. Auch die Gestaltung der Verpackungen spielt eine Rolle. Manche Hersteller verwenden Bilder von weißen Flüssigkeiten in Gläsern, die optisch stark an Kuhmilch erinnern. Die Farbe Weiß dominiert das Design, Mandelbilder sind oft nur dezent im Hintergrund zu sehen. Diese visuelle Sprache suggeriert Ähnlichkeiten, die geschmacklich und ernährungsphysiologisch nicht zwingend bestehen. Ein weiteres Problem: der tatsächliche Mandelanteil. Während Verbraucher bei einem Produkt namens „Mandel-Getränk“ einen hohen Nussanteil erwarten würden, kann dieser in der Praxis stark variieren. Diese Information findet sich meist kleingedruckt auf der Rückseite – wenn überhaupt. Die Hauptbestandteile sind häufig Wasser und verschiedene Zusatzstoffe.

Nährwertangaben: Der Vergleich hinkt

Viele Verpackungen präsentieren Nährwerttabellen, die optisch denen von Kuhmilch ähneln. Doch hier ist Vorsicht geboten: Mandeldrinks unterscheiden sich ernährungsphysiologisch deutlich von Kuhmilch. Während Kuhmilch natürlicherweise reich an Proteinen, Kalzium und Vitamin B12 ist, müssen diese Nährstoffe bei pflanzlichen Alternativen häufig künstlich zugesetzt werden. Doch selbst wenn Hersteller diese Nährstoffe ergänzen, können Bioverfügbarkeit und Zusammensetzung variieren. Die Kennzeichnung dieser Anreicherungen ist nicht immer transparent. Begriffe wie „mit Kalzium“ sagen nichts über die Menge oder die Form der Zugabe aus. Verbraucher, die aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen auf Mandeldrinks umsteigen, sollten diese Unterschiede kennen – doch die Produktbezeichnungen und Verpackungsgestaltungen machen es schwer, die tatsächlichen Eigenschaften zu erkennen.

Was Verbraucher beim Kauf beachten sollten

Um nicht in die Bezeichnungsfalle zu tappen, lohnt sich ein genauer Blick aufs Etikett. Die Zutatenliste ist Pflicht und verrät, was wirklich drin steckt. Dabei gilt: Je weiter vorne eine Zutat steht, desto größer ist ihr Anteil. Wer ein hochwertiges Mandelprodukt sucht, sollte auf die Angabe des Mandelanteils achten – wenn dieser auf der Verpackung angegeben ist.

Checkliste für den bewussten Einkauf

  • Zutatenliste komplett lesen, nicht nur den Produktnamen beachten
  • Nach dem prozentualen Mandelanteil suchen – dieser sollte idealerweise angegeben sein
  • Prüfen, ob Zucker zugesetzt wurde und wenn ja, in welcher Menge
  • Bei angereicherten Produkten nachschauen, welche Nährstoffe in welcher Dosierung ergänzt wurden
  • Auf Zusatzstoffe achten: Emulgatoren, Stabilisatoren und Aromen sind häufig enthalten
  • Die Nährwerttabelle mit den eigenen Ernährungsbedürfnissen abgleichen

Wenn Verpackungsdesign täuscht

Bilder von üppigen Mandeln auf der Verpackung erwecken den Eindruck von Natürlichkeit und hoher Qualität. Doch zwischen dem versprochenen Image und der Realität klafft oft eine Lücke. Marketing-Begriffe wie „cremig“, „mild“ oder „natural“ sind nicht geschützt und sagen nichts über die tatsächliche Zusammensetzung aus. Sie erzeugen lediglich positive Assoziationen. Auch die Größe der Schrift spielt eine Rolle. Während appetitliche Beschreibungen und Lifestyle-Versprechen groß gedruckt sind, verstecken sich wichtige Informationen wie „Shake vor Gebrauch“ oder „Nach dem Öffnen innerhalb von drei Tagen verbrauchen“ im Kleingedruckten. Diese Handhabungshinweise sind aber wesentlich für die richtige Verwendung des Produkts.

Internationale Unterschiede verschärfen das Problem

Der deutsche Lebensmittelmarkt ist international geprägt. Produkte aus verschiedenen EU-Ländern stehen nebeneinander im Regal. Während die Milchbezeichnungs-Verordnung EU-weit gilt, unterscheiden sich die gewählten Alternativbegriffe und auch die erlaubten Ausnahmen von Land zu Land. In Italien beispielsweise ist die traditionelle Bezeichnung „latte di mandorla“ weiterhin zulässig, während in Deutschland ausschließlich Begriffe wie „Mandeldrink“ oder „Mandelgetränk“ verwendet werden dürfen. Diese Unterschiede können für Verbraucher verwirrend sein. Für Menschen mit Allergien oder Unverträglichkeiten kann diese Unübersichtlichkeit sogar gefährlich werden. Wer schnell ein laktosefreies Produkt sucht, muss sicher sein können, das richtige zu greifen. Unklare Bezeichnungen erhöhen das Risiko von Verwechslungen.

Handlungsbedarf für mehr Transparenz

Die aktuelle Situation zeigt: Es braucht klarere Regeln für die Kennzeichnung von Milchalternativen. Eine verpflichtende, einheitliche Produktbezeichnung würde Verbrauchern die Orientierung erheblich erleichtern. Während verschiedene Bezeichnungen wie „Mandeldrink“, „Mandelgetränk“ oder „Mandel-Pflanzendrink“ rechtlich zulässig sind, führt diese Vielfalt in der Praxis zu Rechtsunsicherheit und Verwirrung. Auch die deutliche Angabe des Hauptzutaten-Anteils sollte obligatorisch sein – nicht als versteckte Information, sondern prominent auf der Vorderseite. Bis dahin bleibt Verbrauchern nur die bewusste Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Produkt. Wer sich nicht täuschen lassen will, muss Zeit investieren, Etiketten studieren und zwischen Marketing-Versprechen und tatsächlichen Produkteigenschaften unterscheiden lernen. Das Recht auf transparente Information sollte jedoch keine Fleißaufgabe sein, sondern Standard.

Wie nennst du pflanzliche Milchalternativen im Alltag?
Mandelmilch trotz Verbot
Mandeldrink wie vorgeschrieben
Pflanzenmilch als Überbegriff
Einfach nur Mandel
Ich lese jedes Etikett genau

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