Die meisten Messenger-Dienste erlauben es nicht, mehrere Instanzen gleichzeitig im Browser zu öffnen. Doch was ist mit Telegram Web? Im Internet kursieren zahlreiche Behauptungen über angebliche Multi-Tab-Funktionen, die das parallele Arbeiten mit mehreren Telegram-Instanzen ermöglichen sollen. Wir haben diese Aussagen genauer unter die Lupe genommen und müssen feststellen: Vieles davon gehört ins Reich der digitalen Mythen.
Der Mythos von den unbegrenzten Telegram-Tabs
Im Netz wird oft behauptet, Telegram Web würde problemlos in beliebig vielen Browser-Tabs parallel funktionieren. Jeder Tab könne unabhängig voneinander genutzt werden, die Synchronisation erfolge in Echtzeit. Diese Darstellung klingt verlockend, entspricht aber nicht den dokumentierten Funktionen von Telegram Web. In der offiziellen Dokumentation und in verfügbaren deutschsprachigen Quellen findet sich kein Hinweis auf eine solche Funktionalität.
Was tatsächlich existiert, ist eine ähnliche Funktion für Telegram Desktop: Hier können einzelne Chats in separaten Fenstern geöffnet werden. Diese Desktop-Funktion wird jedoch häufig mit vermeintlichen Web-Fähigkeiten verwechselt. Telegram Web bietet lediglich eine geteilte Ansicht zwischen Chatliste und aktivem Gespräch in größeren Browserfenstern – das ist etwas völlig anderes als unabhängige Tab-Instanzen.
Mehrere Accounts gleichzeitig: Was stimmt wirklich?
Ein weiterer verbreiteter Mythos betrifft die Verwaltung mehrerer Accounts in verschiedenen Browser-Tabs. Die Realität sieht so aus: Telegram ermöglicht bis zu drei Konten mit unterschiedlichen Telefonnummern. Diese Aussage bezieht sich jedoch explizit auf die mobilen und Desktop-Apps, nicht auf die Webversion.
Ob und wie diese Funktionalität in Telegram Web umgesetzt ist, bleibt in der offiziellen Dokumentation unklar. Nutzer können zwar theoretisch unterschiedliche Browser-Profile oder den Inkognito-Modus verwenden, um verschiedene Accounts zu trennen – das ist jedoch eine allgemeine Browser-Funktionalität und keine spezifische Telegram-Web-Eigenschaft.
Die mysteriösen Varianten Web K und Web Z
Besonders hartnäckig hält sich die Behauptung, es gäbe neben dem Standard Telegram Web auch die Varianten Web K und Web Z, erreichbar über spezielle URLs. Diese angeblichen alternativen Clients sollen unterschiedliche Interface-Designs bieten und sich nahtlos mit den anderen Versionen synchronisieren.
In den verfügbaren deutschsprachigen Quellen findet sich jedoch keine Bestätigung für diese Behauptung. Dokumentiert ist lediglich die Möglichkeit, zwischen einer klassischen und einer neueren Version von Telegram Web zu wechseln. Dies erfolgt über das Menü mit der Option „Switch to old Version“. Von eigenständigen Varianten mit separaten URLs ist in keiner seriösen Quelle die Rede.
Was Telegram Web tatsächlich kann
Telegram Web ist zweifellos ein praktisches Werkzeug für die Browser-basierte Kommunikation. Die tatsächlichen Funktionen umfassen eine übersichtliche Chatansicht, Zugriff auf alle Konversationen und Kanäle sowie eine solide Synchronisation mit den mobilen Apps. Die Oberfläche passt sich der Bildschirmgröße an und bietet auf größeren Monitoren eine geteilte Ansicht.
Für die Organisation eurer Chats bietet Telegram andere, tatsächlich dokumentierte Funktionen: Die Ordner-Funktion erlaubt es, Chats thematisch zu gruppieren. Wichtige Gespräche können angepinnt werden. Diese Features funktionieren sowohl in den Apps als auch in der Webversion zuverlässig.
Browser-Kompatibilität und Performance
Telegram Web funktioniert in allen gängigen Browsern. Chromium-basierte Browser wie Chrome, Edge und Opera bieten eine flüssige Bedienung. Auch Firefox arbeitet problemlos mit der Plattform zusammen. Safari-Nutzer können ebenfalls auf Telegram Web zugreifen, wobei gelegentlich kleinere Verzögerungen auftreten können.
Die Performance hängt naturgemäß von der Hardware ab. Moderne Computer mit ausreichend Arbeitsspeicher bewältigen die Webversion ohne Probleme. Bei älteren Systemen empfiehlt es sich, die automatische Medien-Download-Funktion in den Einstellungen zu deaktivieren. So werden Bilder und Videos nur bei Bedarf manuell geladen, was Ressourcen schont.

Sicherheit bei der Nutzung von Telegram Web
Unabhängig von den Mythen rund um Multi-Tab-Funktionen bleibt die Sicherheit ein wichtiges Thema. Telegram bietet Zwei-Faktor-Authentifizierung, die in allen Versionen verfügbar ist. Diese findet ihr in den Einstellungen unter „Privatsphäre und Sicherheit“. Die Aktivierung dieser zusätzlichen Sicherheitsebene ist besonders bei der Nutzung von webbasierten Diensten empfehlenswert.
Beim Verlassen des Arbeitsplatzes solltet ihr euch grundsätzlich ausloggen, besonders wenn ihr öffentliche oder geteilte Computer nutzt. Die Browser-Funktion zum Speichern von Passwörtern mag praktisch erscheinen, stellt aber ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar.
Praktische Tipps für die effiziente Nutzung
Auch ohne die mythischen Multi-Tab-Wunderfunktionen lässt sich Telegram Web effizient nutzen. Die Ordner-Funktion hilft dabei, private und geschäftliche Chats zu trennen. Wichtige Konversationen könnt ihr anpinnen, sodass sie immer oben in der Liste erscheinen. Die Suchfunktion durchforstet alle Nachrichten und findet auch ältere Gespräche zuverlässig.
Für Nutzer, die tatsächlich mehrere Telegram-Instanzen parallel verwenden möchten, bietet sich Telegram Desktop als Alternative an. Hier können einzelne Chats in separaten Fenstern geöffnet werden – eine dokumentierte und offiziell unterstützte Funktion, die dem oft behaupteten Multi-Tab-Feature am nächsten kommt.
Die Desktop-Version unterstützt außerdem offiziell bis zu drei gleichzeitig angemeldete Accounts. Zwischen diesen kann bequem gewechselt werden, ohne sich ständig aus- und einloggen zu müssen. Diese Funktionalität ist verlässlich dokumentiert und funktioniert stabil.
Benachrichtigungen sinnvoll verwalten
Browser-Benachrichtigungen können schnell zur Belastung werden. Telegram Web fragt beim ersten Besuch, ob Benachrichtigungen erlaubt werden sollen. Diese Einstellung kann jederzeit über die Browser-Einstellungen angepasst werden. Moderne Browser bieten zudem die Möglichkeit, einzelne Tabs stummzuschalten – eine Standard-Browser-Funktionalität, die auch bei Telegram Web funktioniert.
In den Telegram-Einstellungen selbst lassen sich Benachrichtigungen granular steuern. Einzelne Chats oder Gruppen können stummgeschaltet werden, ohne dass dies die anderen Konversationen beeinflusst. Zeitgesteuerte Stummschaltungen sind ebenfalls möglich.
Zwischen Mythos und Wirklichkeit unterscheiden
Das Internet ist voll von Anleitungen und Tipps, die beeindruckende Funktionen versprechen. Bei Telegram Web lohnt es sich, zwischen dokumentierten Features und unbelegten Behauptungen zu unterscheiden. Die Webversion bietet eine solide Grundfunktionalität für die Browser-basierte Nutzung, kommt aber nicht an den Funktionsumfang der Desktop-Version heran.
Wer tatsächlich parallele Arbeit mit mehreren Telegram-Instanzen oder Accounts benötigt, sollte auf Telegram Desktop zurückgreifen. Hier sind die entsprechenden Funktionen offiziell implementiert und dokumentiert. Die Desktop-App bietet zudem eine stabilere Performance und mehr Konfigurationsmöglichkeiten als die Webversion.
Telegram entwickelt seine Plattform kontinuierlich weiter. Funktionen, die heute vielleicht nur in Apps verfügbar sind, könnten in Zukunft auch den Weg in die Webversion finden. Bis dahin empfiehlt es sich, auf verifizierte Informationen aus offiziellen Quellen zu vertrauen und nicht jeder verlockenden Behauptung aus dem Internet Glauben zu schenken. Die tatsächlich vorhandenen Funktionen von Telegram sind bereits leistungsfähig genug für die meisten Anwendungsfälle – auch ohne mythische Multi-Tab-Wunder.
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